Was unsere Gemeinde seit langem bewegt

Die Frage nach dem Kreuz in unserer Radebeuler Kirche wird seit langem leidenschaftlich und polarisierend diskutiert. Eine schnelle Entscheidung würde die einen zu Gewinnern, die anderen zu Verlierern machen. Aus diesem Grund schlagen Pfarrgemeinde- und Kirchenrat vor, dass wir uns alle gemeinsam auf die Suche machen, einander zuhören, gemeinsam Schritte gehen, an deren Ziel es zu einer Entscheidung kommen kann, die uns eint.

Mitte Oktober trafen sich 40 Gemeindemitglieder zu einem ersten Gespräch, angeregt durch eine Predigt (siehe unten) von Prof. Franz. An dieser Stelle möchten wir allen die Möglichkeit geben, sich an dem begonnenen Austausch zu beteiligen.

Welche der vielen Darstellungen des Kreuzes bevorzuge ich? Wofür steht „mein“ Kreuz? Was bedeutet es für meinen Glauben?

Schreiben Sie Ihre Gedanken auf die Stellwand in der Kirche oder schicken Sie diese an den PGR, auch anonym über unseren Briefkasten im Eingangsbereich der Kirche. Vor allem reden Sie darüber miteinander.

Auf dieser Grundlage werden im Frühjahr durch eine Kommission Vorschläge für unser Kreuz entwickelt, dann sind wir alle wiederum gefragt.

Ulrike Titze


 

„… wir verkündigen Christus als Gekreuzigten“ (1Kor 1,2)
Überlegungen zum Zeichen des Kreuzes

 

Das Kreuz hat sich bekanntlich erst langsam im Laufe der ersten Jahrhunderte n. Chr. als Erkennungszeichen der Christen etabliert. Als Schandmal schien es zunächst wenig geeignet, etwas Positives zum Ausdruck zu bringen. Dann aber hat es sich bereits im 4. Jhd. n.Chr. endgültig als Zeichen schlechthin, wenn auch nicht als Einziges, für den neuen Glauben an Jesus von Nazareth als den Christus, den Gesalbten, den Sohn Gottes durchgesetzt. Dabei ging es nicht um eine allgemein verbindliche Darstellung des Gekreuzigten, vielmehr wurde das Kreuz als Ausdruck jeweiliger Frömmigkeit in vielen unterschiedlichen Darstellungsweisen zum Ausdruck jeweils zeitbedingten Glaubens. In diesem Sinn war bzw. ist das Kreuz beispielsweise

  • in der Spätantike häufig als mit Gold und Edelsteinen geschmücktes österliches Heilszeichen („Gemmenkreuz“),
  • im Mittelalter („Romanik“ und „Gotik“) als der Thron Christi des Weltenherrschers und Weltenrichters und schließlich
  • in der (frühen) Neuzeit („Reformation“) als Schmerzensmann,

dargestellt.

Damit ist gesagt: Es gibt keine letztverbindliche, gar geoffenbarte Darstellungsweise des Kreuzes, vielmehr sind die Darstellungsweisen  des Kreuzes – unterschiedlich aufgrund des jeweiligen zeit- oder auch ortsbezogenen  Empfindens  –  grundsätzlich legitim und nicht zuletzt  Herausforderung zur Nachdenklichkeit über heutige Möglichkeiten einer sinnvollen Kreuzesdarstellung, und zwar in den Kirchen und Gemeinden von heute, vielleicht sogar in der Öffentlichkeit, nicht zuletzt aber im je eigenen Herzen. Die Geschichte des Kreuzes als „Symbol“ unseres Glaubens zeigt somit, dass das Bekenntnis zum Kreuz Christi alles andere als bloß eine scheinbar fromme Selbstbehauptung ist und sein darf, die sich am Ende gegen andere richtet, statt dass wir gemeinsam in die Tat umzusetzen, was wir am Karfreitag singen:

Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung!“

                                                                                                                   Prof. Albert Franz