Traurige Wirklichkeit: Kaum Hoffnung für mehr Toleranz gegenüber Christen in Pakistan

Flüchtling Emmanuel Gulzar berichtet der Radebeuler Pfarrjugend über die Verteilung der Firmspende

Knapp 1.000 EUR kamen beim diesjährigen Firmgottesdienst als Kollekte zusammen, die für arme christliche Familien in Pakistan bestimmt waren. Kürzlich berichtete Emmanuel Gulzar den Firmlingen unserer Gemeinde über die Verteilung des Geldes in seinem Heimatdorf. Glückliche Gesichter von Familien auf Fotos strahlten große Dankbarkeit aus. Zu allen Beschenkten wusste Emmanuel persönliches zu berichten, sei es die kinderreiche Familie mit verstorbenen Vater und damit ohne Einkommen, die kranke Frau, der das Geld für die ärztliche Behandlung fehlt, die Väter und Söhne, die für einen Hungerlohn in einer Ziegelei schuften müssen und damit kaum ihre Familien ernähren können. Ein großes „Vergelt´s Gott“ aus Pakistan allen Spendern!

Für die Jugendlichen sicherlich schockierend erzählte Emmanuel von der bedrückenden Situation der diskriminierten Christen in seiner Heimat:

Diese machen gerade mal 2% der Bevölkerung aus. Christen müssten teilweise separiert am Ortsrand wohnen, erhalten meist nur schlecht bezahlte Jobs, sei es in einer Ziegelei, der Müllabfuhr oder der Kanalreinigung. Teilweise würden sich Muslime sogar weigern, vom Geschirr zu essen, das zuvor Christen berührt hätten. Das sei unrein.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 habe sich der Druck deutlich verschärft. Christen würden von radikalen Predigern in den Moscheen für US-Militärschläge in Afghanistan und anderswo verantwortlich gemacht. Übergriffe eines aufgebrachten Mobs seien die Folge und führten wiederholt zur Zerstörung christlicher Wohnviertel, Bombenanschlägen während Gottesdiensten mit vielen Toten und Verletzten. Und dennoch hielten die Christen in Pakistan an ihrem Glauben an Jesus Christus fest.

Besonders tragisch wirke das pakistanische Blasphemiegesetz, nach dem auf die Beleidigung des Islam die Todesstrafe stehe. Oft behaupte jemand wegen irgendeines Vorwandes, jemand hätte die islamische Religion beleidigt, etwa kritisches über den Propheten gesagt oder eine Seite aus dem Koran herausgerissen. Schnell werde der Beschuldigte verhaftet und müsse seine Unschuld beweisen. Das sei schwer in einer Situation allein gegen alle. Und selbst wenn die Behörden von der Unschuld überzeugt seien, ließen diese  Unschuldige jahrelang im Gefängnis, aus Furcht vor Drohungen radikaler Islamisten. Trotz jahrelanger weltweit erhobener Forderungen nach Änderungen dieses unmenschlichen Gesetzes sei bisher nichts geschehen. Vielmehr wurden prominente Befürworter einer Änderung selbst von radikalen Muslims erschossen, etwa der Gouverneur der Provinz Punjab Salman Taseer oder der  Minister für religiöse Minderheiten Shabaz Bhatti. Die Attentäter würden von Radikalen sogar als Helden gefeiert und deren Bestrafung wird jahrelang verzögert.

Leider sieht Emmanuel derzeit keine Anzeichen für mehr religiöse Toleranz in seiner Heimat. Die seit Jahren angespannte Sicherheitssituation führe vielmehr dazu, dass auch die Wirtschaft lahme und der früher blühende Tourismus etwa in der Himalaya Region eingebrochen sei. Korrupte Eliten und Politiker und ein fehlende soziale Unterstützung für Arme führten vielmehr dazu, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer Ärmer würden.

In Deutschland fühle er sich dagegen frei und sicher. Er ist sehr dankbar, hier als anerkannter Flüchtling leben zu dürfen. Radebeul und der Gemeinde Christus König bleibt Emmanuel verbunden, hier hat er nach seiner Flucht 2015 eine erste neue Heimat gefunden. Inzwischen lebt und arbeitet Emmanuel in Schirgiswalde-Kirschau.

Der Vortrag hat die jungen Christen aus unserer Gemeinde sehr nachdenklich gemacht:

  • beängstigend, wie im Namen einer Religion auch heute noch Gewalt und Unterdrückung geschieht;
  • bewundernswert, wie unsere Glaubensgeschwister dennoch hoffen;
  • bedrückt, in welch großer Armut viele Menschen in Pakistan leben müssen und
  • nicht zuletzt, dankbar dafür, dass wir hier in Frieden und Freiheit, Wohlstand und Sicherheit leben dürfen.

Werner Glowka